Ferienbetreuung in der Tagesstruktur

Während der langen Sommerferien werden einige Kinder in der Tagesstätte Kilbighuus in Erlinsbach betreut. Dass Ferien sind, merken auch sie.

Die Kinder sitzen um den Znünitisch im Kilbighuus in Erlinsbach. Alle haben einen Apfel- und Wassermelonenschnitz vor sich. «Wer will noch ein Knäckebrot?», fragt die Betriebsleiterin Claudine Friedli. Neun Hände schnellen in die Höhe. Alle wollen eins und warten geduldig, bis Friedli die Brote verteilt hat. «Claudine, dürfen wir das Badkleid anziehen und den Pool füllen?», fragt ein Mädchen.

Alessio Paone, der 16-jährige Praktikant, meint, es sei doch heute Morgen zu kalt dafür. Man könne doch im Sandkasten spielen gehen. Alle schnellen aus den Stühlen empor. Friedli ruft hinterher, dass sie die «Tschäpper» nicht vergessen sollen. Nach kurzer Zeit wird es still im Haus. Die 6- bis 10-jährigen Kinder spielen draussen, ausser ein Bub, der in der Stube sitzt und die «Drei Fragezeichen» liest.

«Mir ist es wichtig, dass die Kinder in den Ferien keinen strengen Tagesablauf haben und selber entscheiden können, was sie machen wollen», erklärt Friedli. Denn auch sie müssten realisieren, dass Ferien seien. Daher organisiere sie nicht ein volles Programm. Das würde die Kinder nur überfordern. Aber Ausflüge in den Wald, bräteln oder andere Spielplätze besuchen, das gehöre schon auch dazu.

Das Kilbighuus befindet sich an der Kilbigstrasse in Erlinsbach. Es ist ein unauffälliges Einfamilienhaus mitten im Wohnquartier. Es hat einen Garten mit einem Sandkasten und genügend Platz für die Kinder für das «freie Spiel», wie es im Fachjargon heisst. Innen hat es Platz für ungefähr 15 Kinder. Das Haus habe zwar Schwachstellen, wie zum Beispiel die enge Garderobe, wo es im Winter fast keinen Platz für alle Jacken habe, sagt Friedli. «Die Kinder stören sich aber nicht an solchen Dingen.»

Überall im Haus sind Zeichnungen aufgehängt oder Fotos von den Kindern, die hier betreut werden. Im Erdgeschoss findet man keine Spielsachen, die sind alle im ersten Stock in den zwei Spielzimmer. An den Wänden sind Verhaltensregeln aufgehängt. «Diese Regeln haben die Kinder selber entwickelt», sagt Friedli. Sie findet klare Regeln und erkennbare Hierarchie wichtig für die Kinder.

«Erlinsbach ist wirklich ein gäbiges Dorf»

Friedli ist die Leiterin für die Tagesstrukturen in Erlinsbach. Dieses Kinderbetreuungsangebot wird durch den Verein «Erziehung und Bildung» organisiert. Die Fricktalerin arbeitet seit Sommer 2016 in Erlinsbach und hat das Betreuungsangebot aufgebaut. Zur Tagesstruktur gehören das Kilbighuus und das «Alte Schuelhüüsli», wo nur der Mittagstisch angeboten wird. Im Kilbighuus aber können die Kinder schon um 6.30 Uhr kommen und bis 18 Uhr bleiben. In ihrem Team arbeiten vier Personen sowie der Praktikant Alessio: Er arbeitet seit Februar im Kilbighuus und wird im August seine Lehre zum Fachmann Betreuung beginnen. «Ich wollte schon immer einen sozialen Beruf ausüben», sagt der Niedergösger, während er die Kinder im Sandkasten im Auge behält.

«Mis Mami bringt mich do ane und min Papi holt mich denn wieder ab», erklärt ein Mädchen noch am Znünitisch. Das ist ganz im Sinne des Vereins. Er versteht sich als Unterstützung für Familien, und will – wie es in den Leitlinien geschrieben steht – «Eltern die Möglichkeit geben, sich im Beruf weiterzuentwickeln und eine partnerschaftliche Aufgabenteilung innerhalb den Familien erreichen.»

Dieses Jahr wurde das Ferienangebot gut genutzt, aber sie haben noch Kapazität für mehr Kinder, sagt Friedli. Sie sei sehr zufrieden mit ihrer Arbeitssituation. Die Grösse der Tagesstruktur gefalle ihr, der persönliche Kontakt mit den Kindern und Eltern schätze sie. Auch die Zusammenarbeit mit den Eltern und der Gemeinde laufe gut. «Ja, Erlinsbach ist wirklich ein gäbiges Dorf. Ich komme gerne hierher zum Arbeiten.»

von Judith Frei
Oltner Tagblatt 19.7.2019